Götz Ali hat eine schöne Kolumne über die Sozialisation von Westerwelle und seinesgleichen in der Berliner Zeitung geschrieben. Dieser Satz gefällt mir besonders:
Westerwelle und ein erheblicher Teil der FDP-Spitze repräsentieren eine Generation von Plastikmännern und -frauen, die in den fettesten Jahren der westdeutschen Republik im anstrengungslosen Wohlstand aufgewachsen sind und außer Sprüchen wenig geleistet haben.
Weiter
Im Jahr 2001 erhielt Guido Westerwelle seine bislang bedeutendste Auszeichnung: Krawattenmann des Jahres.
Da fällt mir Wiglaf Droste ein, der schon vor langer Zeit eigentlich alles erwähnenswerte zu diesem Schlipsbeiwerk gesagt hat:
Alles, was er hatte, war Krawatte.
Ein lesenswertes Interview mit Wiglaf Droste zu diesem Thema findet sich im Stern.
Guido ist Jg. 1961 und damit in etwa in meinem Alter. Götz Ali hat Recht, wenn er sagt, dass es nachfolgend die “fettesten Jahren der westdeutschen Republik” gab. Ich erinnere mich gut, dass es meinen Eltern ab ca. 1970 finanziell zunehmend besser ging. Das bedeutete für uns, den ersten Fernsehr, das erste Telefon und die erste Waschmaschine anschaffen aowie das erste Mal in Urlaub fahren zu können. Da ging es um Dinge, die heute selbst für Geringverdiener als selbstverständlich gelten. In der Zeit vorher hieß es, die Brote zusammenzuklappen, um Aufschnitt zu sparen und wenn Fleisch auf dem Tisch war, war das wie ein Festtag.
Es ist auch richtig, dass es Zeiten gab, zu denen man Bildung, Ausbildung und Arbeitsplatz in den Hintern gepustet bekam. Das war aber leider zu Guidos und meiner Zeit schon vorbei. Als wir alt genug waren, gab es bereits den NC und stark wachsende Leistungsanforderungen, die teilweise durchaus heftiger waren, als das, was heute in vielen Bereichen verlangt wird.
Politisch nehme ich Guido damit keinesfalls in Schutz. Es ist m.E. hohe Zeit, dass er von der Bühne verschwindet. Nichtsdestotrotz ist die hier zitierte Argumentation von Götz Ali schlichtweg zu einfach gestrickt. Auf so einen Nenner kann man es nicht bringen, ohne sich selbst als mangelhaft vorbereitet zu outen.