Ich wage mal ein Experiment und versuche den Feuilleton Artikel der Rubrik “Digitales Denken” der FAZ von Morgen schon mal vorzuschreiben.
Die Endgültige Abschaltung der Manuellen Vermittlung durch das Fräulein vom Amt vor fast 44 Jahren ist der Beginn der vollständigen Entmenschlichung des Kommunikationsweges. Während Briefe immer noch von Menschen zugestellt, Radio- und Fernsehnachrichten von Menschen vorgelesen und Zeitungen immer noch von Zeitungsausträgern in unsere Briefkästen wandern, so übernehmen seither fast vollständig Maschinen unsere fernmündliche Kommunikation.
Fernsprechamt in Stettin im Jahre 1892 (wikipedia)
Zunächst übernahmen Elektromechanische Vermittlungsstellen diese Aufgabe, welche die flinken Hände der nun arbeitslosen Fräuleins durch kalte eiserne Drehwähler ersetzen. Doch dabei sollte es nicht bleiben. Ab den 80er Jahren wurden diese immerhin noch stofflich greifbaren Verbindungsroboter nach und nach durch Computer ersetzt, die fortan nur noch ihren Algorithmen folgen. Und schlimmer noch, das vormals analoge Signal des Gegenübers wird mit digitaler Gewalt in Computergerechte Häppchen zerteilt, und am anderen Ende wieder zusammensimuliert, ganz nach dem Glaubensbekenntnis der Informatiker: divide et impera. Das einzig analoge, was uns noch geblieben ist, ist das Telefonbuch, auch wenn es mehr und mehr durch Onlineversionen wie telefonbuch.de ersetzt wird.
Was passieren kann, wenn man das Telefonbuch den Algorithmen überlässt, konnte man heute Nachmittag erleben. Einige Computer der für die deutschen Internetdomains zuständigen Organisation DeNIC, welche das deutsche “Internettelefonbuch” betreibt, lieferten fehlerhafte Angaben, so dass viele Internetseiten nicht mehr aufgefunden werden konnten. Ein Harmloser Umzug einiger Dienste von Amsterdam nach Frankfurt stürzten das Internet ins Chaos. Die vielbeschworene Dezentralität des Internets versagte, da die Algorithmen aller “Telefonbücher” (DNS) ihren Vorgesetzten Computern (.de Server der DeNIC) blind vertrauten, und diese Fehlinformation weiterverbreiteten. Ähnlich wie Twitter, Blogs und Facebook fehlt ihnen eine Art journalistische “Ausbildung” um nicht alle Information ungefragt weiterzugeben. Das gute Fräulein vom Amt hätte damals sicher nochmal nachgefragt, wenn heise.de aus dem Telefonbuch verschwunden wäre. Wir müssen uns also fragen, ob wir neben dem Qualitätsjournalismus auch einen Qualitäts-DNS brauchen, nicht zuletzt, weil google auch auf diesem Markt dabei ist, ein Monopol aufzubauen. Dies kann aber nicht kostenlos sein, so dass auch über ein Leistungsschutzrecht für Qualitäts-DNS-Einträge nachgedacht werden sollte.
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