Humankapitalisten

Der CDU Politiker Peter Trapp fordert laut Bildzeitung:

Wir müssen bei der Zuwanderung Kriterien festlegen, die unserem Staat wirklich nützen. Maßstab muss außer einer guten Berufsausbildung und fachlichen Qualifikation auch die Intelligenz sein. Ich bin für Intelligenztests bei Einwanderern. Wir dürfen diese Frage nicht länger tabuisieren.

CSU-Europaexperte Markus Ferber steht dem in nichts nach und legt nach

Wir brauchen eine einheitliche Regelung in Europa. Kanada ist da viel weiter und verlangt von Zuwandererkindern einen höheren IQ als bei einheimischen Kindern. Humane Gründe wie Familiennachzug können auf Dauer nicht das einzige Kriterium für Zuwanderung sein!

Nun quillt die Menschenverachtung auch aus den sich sogenannten “christlichen Werten” (was auch immer das nun sein mag) verbunden zu sein behauptenden Partei(en) heraus, die Menschen als “Humankapital” ansehen.

Was diese Asozialisten wie auch, Gunnar Heinson, Thilo Sarrazin und teilweise auch Peter Sloterdijk eint, ist ihr primitives sozialdarwinistisches Weltbild, was ein typisch pseudowissenschaftliches selektives freies Assoziieren mit dem Biologischen Vorbild ist.

Wer “Survival of the fittest” ernst nimmt, kann die Fitnessfunktion nicht selbst definieren, und alles darauf ausrichten, weil diese Fitnessregel sich selbst in der Realität behaupten muss. Wer “Nutzen” als rein ökonomische Leistungsfähigkeit definiert, und alles andere zum Störfaktor macht, und herausoptimiert, begibt sich immer weiter auf einen Ast, und hofft, dass die Evolution nicht irgendwann die Säge auspackt. Wie jede Monokultur ist auch dieses Dogma anfällig für Krankheiten (soziale Unruhen) und laugt den Boden einseitig aus, so dass ohne Kunstdünger nichts mehr geht (Bankenrettung).  Ob das aber immer so weitergehen kann, ist fraglich. Auch die “Planzenschutzmittel”(Terrorbekämpfung, Überwachung) werden nicht ewig helfen, selbst wenn alle anderen Pflanzen ausgerottet werden sollten. Ein Bakterium, was seinen Wirt umbringt, wird selbst zum Opfer. Es bleibt zu hoffen, dass die Immunabwehr nicht völlig schlafen wird.

Ein weiterer Punkt, der immer ignoriert wird, ist, dass Selektion nicht ohne Auswahl funktioniert. Wer alle anderen Äste abschneidet nimmt sich sämtliche Optionen. Das gefürchtete Grippevirus ist nur deshalb so erfolgreich, weil es beim kopieren der eigenen DNA so viele Fehler macht, so das immer wieder eine Variante dabei herauskommt, die das Immunsystem noch nicht bekämpfen kann.

Ein weiterer Irrtum ist der Glaube, wenn jeder für sich sorgt, dann sei für alle gesorgt, was ja auch dem Bild Homo oeconomicus entspicht. Wie die Ameisen zeigen, so kann es durchaus evolutionstechnisch sinnvoll sein, nicht rein egoistisch zu handeln.

Selbst wenn man jetzt einen Intelligenztest von Einwanderern fordern würde, so hängt man sich wieder nur an einem Test auf, der wiederum nur auf einen Ast beschränkt ist.

Langsam fällt es mir echt  immer schwerer meinen inneren Godwinschen Knoten vor dem Platzen zu bewahren, wenn ich diesen Müll immer wieder hören muss.

Edit: Wer aus verständlichen Gründen nicht auf Bild.de klicken will, kann das ganze auch bei SPON lesen

Pro Christ[ian] Wulff?

Esowatch hat etwas über den aktuellen Bundespräsidentskandidaten  Christian Wulff und seiner Verbindungen zu der evangelikalen Missionierungsbewegung Pro Christ und dessen Rede vor dem “Arbeitskreises Christlicher Publizisten” zusammengetragen.

Laut einem Artikel vom NDR wettert einer der aktivsten Mitglieder auch gegen  Bundesjustizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger, “weil sie eine Schwulenparade mit einem Grußwort bedachte”, und  gegen Guido Westerwelle  weil er im Juli die Gay Games in Köln eröffnen will. Auch der Beauftragte für Weltanschauungsfragen der evangelisch-württembergischen Landeskirche, Hansjörg Hemminger, bescheinigt dem Arbeitskreis eine “theologisch unheilvolle Rolle”. “Am ACP ist verwerflich, dass er die Werte und Institutionen unserer freiheitlichen Ordnung zwar nicht aktiv bekämpft, aber die Verfassung praktisch ständig in Frage stellt”. Wo bleib der Aufschrei wie bei Franziska Drohsel wegen ihrer Mitgliedschaft in der Rote Hilfe?

Köhlernachfolge: Das Lagerdenken hat im Netz ausgedient

Seit dem Host Köhler überraschend zurückgetreten ist, wird überall fleißig über die Nachfolge diskutiert. Während bis zum gestrigen Tag Ursula von der Leyen favorisiert wurde, scheint dies heute nicht mehr so sicher zu sein. Gerade aus der netzaffinen Welt regte sich verständlicherweise Widerstand. Interessanterweise haben die FDP Politker Jürgen Koppelin und Sebastian Blumenthal jetzt auch Bedenken. Auch wenn von der Leyen noch nicht vom Tisch zu sein scheint, so sind die diskutierten alternativen Wulff und Schäuble auch nicht viel besser. Sie würden direkt aus der aktiven Parteipolitik  in ein Amt gehoben, was sie als Integrationsfigur und Repräsentanten des ganzen Landes eigentlich disqualifiziert.

http://de.wikipedia.org/wiki/Guildo_Horn

Horst Köhler bei der Arbeit (Quelle Wikipedia)

Interessanterweise favorisieren viele Internetschreiber trotz der eher internetfeindlichen Politik der CDU, viele CDU Mitglieder zu ihren Favoriten. So kann sich Markus Weber, und auch meine Wenigkeit, durchaus einen Bundespräsidenten Klaus Töpfer vorstellen. Immerhin hat der ehemalige Untergeneralsekretär der Vereinten Nationen und gelernte Volkswirtschaflter sowohl die notwendigen diplomatischen Fähigkeiten, als auch die in der Wirtschaftskrise notwendige Kompetenz. Weiterhin setzt er sich für Umwelt- und Klimaschutz ein und vertritt eine eher grüne Energiepolitik. Damit könnte auch weitgehend die Opposition leben. Frank Rieger und Malte Welding haben Hans-Jürgen-Papier ganz oben auf ihrer Favoritenliste, der sich besonders um das Urteil über die Vorratsdatenspeicherung verdient gemacht hat. Der Spiegelfechter, welcher nun wahrlich nicht als glühender Konservativer bekannt ist, hat durchaus wohlwollende Worte für Geißler, Töpfer und Lammert übrig. Auch Udo Vetter, welcher laut eigener Aussage bis zu NRW-Wahl immer FDP gewählt hat, kann sich einen Joschka Fischer als Bundespräsidenten vorstellen. Eine nette Idee hatte Martin Oetting, der anstatt der destruktiven “Not my President” Kampagne versucht, einen besseren Kandidaten über seinen Blogpost zu finden. Dort zeichnet sich auch eine Präferenz für Joschka Fischer ab. Wer leider völlig in den Medien untergeht, sind auch Gerhart Baum und Burkhard Hirsch, die sicher auch respektable Kandidaten wären, aber durchaus auch in einigen Blogkommentaren zu finden sind.

Dies alles zeigt, das zumindest im Netz parteipolitische Präferenzen weit weniger den Ausschlag für die Kandidatenfrage geben, als die unterstellte Kompetenz und Integrationsfähigkeit. Warum, liebe CDU schickst Du dann solche umstrittenen Leute wie Schäuble und Leyen ins Rennen, wenn selbst die Jungen CDU-Abstinenzler durchaus gute Leute in euren Reihen sehen? Ein bisschen netzpolitische PR gibts dazu noch gratis.